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Ein Fjord, ein Go-Live und ein Team über drei Kontinente

Treffen in Stavanger, Go-Live in Bad Reichenhall, Entwicklungsleiter in Asien: wie ein verteiltes Team einen ERP-Umstieg vorbereitet – und warum die Fjordfahrt dazugehörte.

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Christoph Helminger
30. Mai 2026
Lysefjord bei Stavanger, Norwegen – Treffen zum Lyrion-ERP-Go-Live des HELITS-Teams

Es gibt elegantere Orte für ein Projektmeeting als ein Hotel in Stavanger an einem regnerischen Maiabend. Aber es gibt kaum einen logischeren. Unser Entwicklungsleiter Andreas Löffel lebt und arbeitet in Asien, das HELITS-Team sitzt im Berchtesgadener Land, und der Kunde, um den es ging, fertigt in Bad Reichenhall. Wenn drei Punkte derart auseinanderliegen, trifft man sich dort, wo sich die Reiserouten kreuzen. Diesmal war das Norwegen.

Anlass war kein Workshop und kein Strategie-Offsite, sondern ein konkreter Termin: der Go-Live von Lyrion ERP bei der Ludwig System GmbH & Co. KG, einem Hersteller funkferngesteuerter Lasthaken und Anschlagmittel für Forst, Bau und Logistik. Ein Go-Live ist der Moment, in dem ein ERP-Projekt aufhört, ein Projekt zu sein, und anfängt, das System zu sein, mit dem ein Betrieb morgen früh seine Aufträge fährt. Über genau diesen Übergang haben wir in Stavanger gesprochen.

Warum man sich für einen Go-Live physisch trifft

Wir arbeiten verteilt, und das funktioniert. Code-Reviews, Cut-over-Pläne, Datenabgleiche — das läuft über Git, Microsoft Teams und geteilte Dokumente, unabhängig davon, ob jemand in Anger, in Bad Reichenhall oder acht Zeitzonen weiter östlich sitzt. Für den Alltag braucht es kein gemeinsames Büro.

Ein Go-Live ist trotzdem etwas anderes. Es ist der Punkt, an dem die letzten offenen Fragen keine Tickets mehr sind, sondern Entscheidungen mit Konsequenz: Welche Altdaten werden zum Stichtag eingefroren, welche laufen noch mit? Welche Buchungskreise gehen in der ersten Welle scharf, welche in der zweiten? Was passiert, wenn am ersten Produktivtag eine Schnittstelle klemmt — rollen wir zurück oder fixen wir vorwärts? Solche Fragen klärt man schneller und ehrlicher an einem Tisch als in einem Thread, in dem jede Antwort zwölf Stunden auf die nächste Zeitzone wartet.

Andreas verantwortet die Entwicklungsseite unserer Lyrion-Einführungen — die Schnittstellen, die Datenmigration, die kundenspezifischen Anpassungen. Dass er für diesen Go-Live aus Asien anreist, ist kein Zufall, sondern Methode: Die kritischen 48 Stunden um den Stichtag plant man nicht aus der Ferne durch.

Was bei Ludwig System auf dem Tisch lag

Ludwig System ist ein lehrbuchhafter Mittelständler in dem Sinn, in dem wir den Begriff meinen: ein hochspezialisierter Fertigungsbetrieb mit echtem Produkt, gewachsenen Prozessen und einer IT-Landschaft, die über Jahre Schicht für Schicht entstanden ist. Wer funkferngesteuerte Lasthaken für den Forst- und Kraneinsatz baut — Produkte wie den LudwigHook oder den LudwigChoker — hat Stücklisten, Varianten und Fertigungsaufträge, die nicht in eine Tabellenkalkulation passen.

Genau das war der Grund für den Wechsel auf Lyrion. In Stavanger ging es nicht mehr um das Ob, sondern um die Mechanik des Umstiegs: Reihenfolge der Module, Bereinigungsstand der Artikel- und Lieferantendaten, Verprobung der ersten Fertigungsaufträge im Produktivsystem. Wir haben den Cut-over-Plan Zeile für Zeile durchgesprochen und an mehreren Stellen verschoben — weil der ehrlichste Plan derjenige ist, der die Realität des Betriebs abbildet und nicht den Wunsch des Projektteams.

Wie bei jeder Einführung gilt auch hier: Das technische Risiko ist beherrschbar, das organisatorische ist die eigentliche Arbeit. Deshalb stand die Frage, wer auf Kundenseite am Stichtag die Verantwortung trägt und entscheidet, weiter oben auf der Agenda als jede Konfigurationsdetailfrage. Wer unsere Erfahrungen aus den früheren Lyrion-Projekten kennt, weiß, warum: Über das IT-Consulting hinaus entscheidet die interne Projektverantwortung beim Kunden über Erfolg oder Verzug.

Der Fjord als Teil der Arbeit

Am zweiten Tag haben wir das Hotel verlassen und sind auf den Lysefjord hinausgefahren — jenen 42 Kilometer langen Wasserarm südöstlich von Stavanger, über dem 604 Meter steil der Preikestolen aufragt. Zwei Stunden auf dem Wasser, Mobilfunk meist weg, Wasserfälle, die direkt aus der Felswand kommen, und eine Stille, die man in keinem Konferenzraum herstellen kann.

Das war keine Belohnung und kein Programmpunkt zum Abhaken. Es war die Fortsetzung des Meetings mit anderen Mitteln. Die zähesten Knoten eines Cut-over-Plans lösen sich selten unter Druck am Whiteboard, sondern in dem Moment, in dem niemand mehr auf den Bildschirm starrt. Auf dem Fjord ist mehr zur Reihenfolge der Datenmigration entschieden worden als am Vorabend im Hotel. Wir haben das schon nach der CARDEXPO in Graz erlebt, als der Abstecher in die Lurgrotte die besseren Gespräche brachte als die Messe selbst: Pause ist kein Gegenteil von Arbeit, sie ist eine ihrer produktiveren Formen.

Was bleibt

Zurück in Bayern steht der Go-Live an, und das Wesentliche ist vorbereitet: ein durchgesprochener Cut-over, klare Verantwortlichkeiten, ein abgestimmter Plan für die ersten Produktivtage. Ob ein Projekt sauber landet, entscheidet sich nicht am Stichtag, sondern in den Wochen davor — und in der Frage, ob ein Team auch dann zusammenarbeitet, wenn es über drei Kontinente verteilt ist.

Stavanger war für uns der Beweis, dass beides geht: verteilt arbeiten und sich an den richtigen Stellen physisch treffen. Der Fjord war Zugabe. Dass am Ende ein bayerischer Hersteller aus Bad Reichenhall mit einem neuen ERP-System produktiv geht, ist das, was zählt. Mehr zu unserem Vorgehen bei Softwareentwicklung und ERP-Einführungen findet sich auf den jeweiligen Seiten.


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