GiraConnect: Zeitschaltuhren am Gira HomeServer grafisch steuern
Flutlicht, Training, Reinigung: Ein Stadion hat Dutzende Zeitschaltuhren. GiraConnect bringt sie vom rohen Schaltpunkt auf ein Gantt-Board — air-gapped und ohne zweiten Scheduler.
Ein Flutlicht geht nicht einfach an. In einem großen Fußballstadion hängt an jeder Schaltung eine Kette aus Vorlaufzeiten, Anwurfzeiten, Trainingsslots, Reinigungsfenstern und Energievorgaben. Wer das von Hand pflegt, sitzt vor langen Listen aus Schaltpunkten — Uhrzeit, Wochentag, Aktion, Zeile für Zeile. Genau hier hat ein Stadionbetreiber im Alpenraum bei uns angeklopft: Die Technik lief, aber die Bedienung war Arbeit.
Das Gebäude wird über einen Gira HomeServer 4 gesteuert. Der kann viel, und genau das ist das Problem: Seine Universal-Zeitschaltuhren (UZSU, im Objektbaum am Prefix TI erkennbar) konfiguriert man über rohe Schaltpunkte. Für eine einzelne Lampe geht das. Für ein Stadion mit Dutzenden Timern, die je nach Spieltag, Wochentag und Veranstaltung anders laufen, wird es zur Fehlerquelle. Wir haben daraus GiraConnect gebaut — eine Web-Oberfläche, die jede Zeitschaltuhr auf ein Gantt-Board legt.
Vom Schaltpunkt zur Zeitachse
Der Kern von GiraConnect ist die Übersetzung: Was im HomeServer eine Liste aus "hhmm"-Zeitstempeln und Wochentag-Indizes (0 für Montag bis 6 für Sonntag) ist, wird bei uns ein Balken auf einer Zeitachse. Der Bediener sieht alle Timer untereinander, zieht einen Schaltpunkt an die richtige Stelle, setzt Wochentage und Aktion — fertig. Kein Zählen von Indizes, kein Tippen von Uhrzeiten im Vier-Stellen-Format.
Wichtig war uns dabei eine Sache, die GiraConnect bewusst nicht tut: Es betreibt die Timer nicht selbst. Es gibt keinen zweiten Scheduler, der online bleiben muss. GiraConnect schreibt die Schaltpunkte in den HomeServer, und der löst sie aus — so wie vorher. Fällt die Bedienoberfläche aus, schaltet das Stadion trotzdem weiter. Das ist in einem Betrieb, bei dem ein verpasstes Flutlicht ein echtes Problem ist, kein Detail, sondern die Grundbedingung.
Presets für den Spieltag
Ein Stadion hat wiederkehrende Abläufe. Ein normaler Trainingstag sieht anders aus als ein Heimspiel, und ein Heimspiel anders als eine Fremdveranstaltung. Diese Szenarien jedes Mal von Hand auf die Timer zu schreiben, ist genau die Arbeit, die wir loswerden wollten.
GiraConnect speichert dafür bis zu 20 Presets. Ein Preset erfasst einen kompletten Schaltzustand — alle relevanten Timer mit ihren Schaltpunkten — und spielt ihn auf Knopfdruck zurück. „Heimspiel Abend" einmal sauber aufgebaut, danach mit einem Klick aktiviert. Fehlt beim Zurückspielen ein Timer, weil sich die HomeServer-Konfiguration geändert hat, legt GiraConnect ihn als Stub an, statt stillschweigend etwas zu überspringen. Der Bediener sieht, was passiert.
Air-gapped, weil das Netz es verlangt
Gebäudeleittechnik gehört nicht ins offene Internet. Der HomeServer und die daran hängende Steuerung leben in einem abgeschotteten Netz, und GiraConnect musste sich dem fügen. Die Anwendung läuft deshalb vollständig air-gapped: keine CDN, keine externen Skripte, keine nachgeladenen Fonts. Alles, was der Browser braucht, liegt lokal. Die einzige Netzwerkverbindung im Betrieb geht an den HomeServer im lokalen Netz — sonst nichts.
Praktisch heißt das: Einmal mit Internet aufgesetzt, danach lässt sich die Maschine dauerhaft vom Netz trennen. Für uns als Entwickler war das eine Disziplin-Übung — jede Abhängigkeit, die man sonst gedankenlos von einem Cloud-Dienst zieht, musste lokal gebündelt werden. Für den Betreiber ist es schlicht die Voraussetzung dafür, dass die Lösung überhaupt in sein Netz darf. Wie wir solche abgeschotteten Umgebungen planen, beschreiben wir auch in unserer IT-Consulting & Digitalisierung-Praxis.
Synchron in beide Richtungen
Eine Steuerung, die nur in eine Richtung schreibt, driftet irgendwann von der Realität weg. Jemand ändert direkt am HomeServer einen Timer, und die Oberfläche zeigt veraltete Daten. Deshalb gleicht GiraConnect alle paar Minuten ab: Ein Pull-Sync holt Timer-Liste, Zustände und Meta-Informationen vom HomeServer und übernimmt auch HS-seitige Änderungen — neue oder gelöschte Timer, geänderte Aktionen. Ist der HomeServer gerade nicht erreichbar, loggt der Lauf eine Warnung und versucht es beim nächsten Intervall erneut. Es geht nichts verloren, und niemand muss einen Knopf drücken.
Die Anbindung selbst läuft über die dokumentierte CGI-API des HomeServers — mit Basic-Auth, Timeout und dreifachem Retry, damit ein kurzer Schluckauf im Netz keinen fehlgeschlagenen Schaltpunkt bedeutet. Lese- und Schreibpfad haben wir gegen echte HomeServer-4-Hardware verifiziert, nicht nur gegen eine Simulation.
Was am Ende zählt
Für den Betreiber hat sich die Arbeit verschoben: weg vom Pflegen roher Schaltlisten, hin zum Denken in Szenarien. Ein neuer Spieltag-Ablauf ist ein Preset, kein halber Nachmittag. Und weil jede Änderung in einem Audit-Log landet, lässt sich nachvollziehen, wer wann welchen Schaltpunkt angefasst hat — in einem Betrieb mit mehreren Schichten und Verantwortlichen kein Luxus, sondern Notwendigkeit.
GiraConnect ist ein gutes Beispiel dafür, was wir unter individueller Softwareentwicklung verstehen: keine Lösung von der Stange, sondern eine schmale, robuste Oberfläche auf eine bestehende, bewährte Anlage. Der HomeServer bleibt das Gehirn. GiraConnect ist die Hand, die ihn bedienbar macht. Mehr zum Produkt selbst steht auf der GiraConnect-Produktseite.
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