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Loxone im Altbau: Was beim Nachrüsten in einer bayerischen Villa wirklich schiefging

Eine Loxone-Nachrüstung in einem Altbau ist kein Neubau-Projekt mit alten Wänden. Was wir bei einer Villa in Anger gelernt haben — inklusive drei Fehler, die wir nicht wiederholen.

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Christoph Helminger
24. Januar 2026
Loxone Smart Home Nachrüstung im Altbau Bayern

Das Projekt klang auf dem Papier überschaubar: Eine Villa aus den 1960er Jahren in Anger, etwa 280 Quadratmeter, Besitzer wollte Loxone für Licht, Heizung und Zutritt. Der Elektriker hatte bereits einen Termin gemacht. Dann riefen sie uns an — drei Tage vor dem geplanten Installationsbeginn.

Was wir vorfanden, als wir das Sicherungsfeld öffneten

Der erste Blick ins Verteilerfeld war ernüchternd. In einem Altbau dieser Generation bedeutet "Elektroinstallation prüfen" meistens: Überraschungen einplanen. In diesem Fall stießen wir auf eine Mischung aus 2,5er und 1,5er Leitungen ohne erkennbares Schema, drei Generationen Sicherungen, und — das eigentliche Problem — keine durchgehenden Neutralleiter in den Schalterdosen.

Für ein Loxone-System ist das kritisch. Der Loxone Tree-Bus läuft mit vier Adern (zwei für Daten, zwei für Spannung), braucht aber in jeder Schalterdose eine saubere Grundversorgung. Was im Neubau selbstverständlich ist, fehlt im Altbau oft schlicht — weil es damals niemand brauchte.

Wir haben an diesem Nachmittag entschieden, die Planung um zwei Wochen zu verschieben. Der Auftraggeber, ein Unternehmer aus dem Raum Berchtesgaden, war zunächst not amused. Rückblickend hat ihm diese Entscheidung etwa 4.000 Euro Nacharbeitskosten erspart.

Die Leitungsfrage: Tree oder Air, und warum wir meistens Tree wählen

Im Altbau stellt sich immer die Frage: Funklösung oder kabelgebunden? Loxone Air ist verlockend, weil man keine neuen Leitungen ziehen muss. Wir nutzen Air in unseren Projekten — aber selten als Hauptsystem, meist für Nachrüstungen in einzelnen Räumen, wo das Kabelziehen unverhältnismäßig teuer würde.

Für dieses Projekt haben wir uns für eine Hybridlösung entschieden: Tree als Backbone in den Bereichen, wo wir sowieso neue Leitungen ziehen mussten (Heizung, Hauptverteiler), Air-Erweiterungen für die oberen Schlafzimmer, wo eine einzige Schalterdose zwölf Meter Hohlraumbohrung bedeutet hätte.

Das Ergebnis: Miniserver Gen 2 als Zentrale, neun Tree-Extensions für Licht und Jalousien im Erdgeschoss und ersten Stock, vier Air-Tree-Extensions für das zweite Obergeschoss. Die Gesamtinstallationszeit betrug 14 Arbeitstage — rund 60 Prozent mehr als ein vergleichbares Neubau-Projekt gleicher Größe. Das muss man bei der Kalkulation einplanen.

Was wirklich Zeit kostet: Programmierung oder Kabel?

Eine Frage, die uns Bauherren oft stellen: "Wie lange dauert die Programmierung?" Die ehrliche Antwort: Im Altbau ist die Programmierung selten das Problem. Das Kabelziehen, das Ertüchtigen der Bestandsinstallation, das Testen jedes einzelnen Aktors — das frisst die Zeit.

Bei diesem Projekt haben wir für die eigentliche Loxone-Konfiguration etwa drei Tage gebraucht. Für die Elektroinstallation elf. Heizungsanbindung über Modbus an die bestehende Viessmann-Anlage: einen halben Tag, inklusive Parametrierung. Die Integration von vier Loxone NFC Code Touch an Haupt- und Nebeneingang: zwei Stunden.

Das Verhältnis überrascht viele, die Loxone-Projekte aus Neubauten kennen. Aber es ist die Realität im Bestand — und wer das nicht von Anfang an kommuniziert, bekommt Probleme beim Abrechnen.

Drei Fehler, die wir in diesem Projekt gemacht haben

Es wäre unehrlich, nur über das zu schreiben, was gut gelaufen ist. Drei Dinge hätten wir anders machen sollen:

Erstens: Wir haben die Heizungssteuerung zu früh zugesagt. Die Viessmann-Anlage war zwar Modbus-fähig, hatte aber eine Firmware-Version, die eine bestimmte Registerbelegung nutzte — abweichend von der Dokumentation. Zwei Stunden Troubleshooting, ein Anruf beim Viessmann-Support, und letztlich ein Firmware-Update später lief alles. Seitdem fragen wir bei Heizungsanlagen immer die genaue Firmware-Version ab, bevor wir die Modbus-Anbindung in den Angebotspreis einrechnen.

Zweitens: Die Visualisierung haben wir erst nach der Inbetriebnahme abgestimmt. Der Auftraggeber hatte andere Vorstellungen von der Raumaufteilung in der Loxone-App als das, was wir angelegt hatten. Kein großes Problem, aber unnötige Nacharbeit. Seitdem gibt es bei uns ein kurzes Workshop-Format vor der Programmierung, wo wir gemeinsam die Struktur im Loxone Config festlegen.

Drittens: Wir haben die Dokumentation zu spät erstellt. Nach 14 Tagen Installation ist der eigene Überblick noch gut — aber wer die Anlage ein Jahr später für einen Erweiterungsauftrag wieder anfasst, ist froh über saubere Schaltpläne. Das klingt banal, aber im Projektalltag schleift es sich leicht.

Was die Anlage heute leistet

Zwanzig Monate nach Inbetriebnahme haben wir den Auftraggeber nach seinem Fazit gefragt. Seine Antwort war sachlich: Die Heizkosten seien um etwa 18 Prozent gesunken, was er auf die Einzelraumregelung zurückführt. Das Beschattungssystem spare ihm täglich die manuelle Bedienung von elf Außenjalousien. Was ihn am meisten überrascht habe: dass er die App kaum noch brauche, weil die Automatisierungen einfach laufen.

Genau das ist das Ziel. Eine gut geplante Loxone-Anlage sollte sich im Alltag unsichtbar machen — nicht ständig Aufmerksamkeit fordern.

Für Fragen zur Planung einer Loxone-Nachrüstung in Ihrem Bestandsgebäude stehen wir gerne für ein erstes Gespräch bereit. Für Überblick zu unseren Loxone-Projekten in der Region Berchtesgaden und Chiemgau finden Sie einige Referenzen in unserem Portfolio.


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